Hass im Netz und zivilgesellschaftliche Gegenstrategien

Abstract

Hassrede und Hass im Netz ist ein wachsendes Problem mit Konsequenzen im realen Leben. Zivilgesellschaftliche Gegenstrategien und Digitale Zivilcourage sind entscheidend, um ein respektvolles und sicheres Online-Umfeld zu fördern. Doch es braucht auch strukturelle Maßnahmen, um Hass im Netz wirksam zu bekämpfen. Dieser Beitrag zeigt, wie Hass im Netz erkannt wird, welche Auswirkungen er hat und welche Maßnahmen Betroffene sowie die Gesellschaft dagegen ergreifen können.

Hass im Netz: eine zunehmende Bedrohung

Das Internet, ein Ort der grenzenlosen Möglichkeiten und Kommunikation, kann leider auch ein Ort von Hass und Hetze sein. Zivilgesellschaftliche Gegenstrategien und Digitale Zivilcourage können dazu beitragen, das Netz sicherer und angenehmer für alle zu gestalten.

Was ist Hass im Netz?

Hass im Netz ist ein weit verbreitetes Problem, für das es keine allgemeingültige Definition gibt. Der Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit beschreibt Hass im Netz als hasserfüllte, verletzende oder erniedrigende Onlineinhalte, die sich gegen Einzelpersonen oder Gruppen richten. Oft beziehen sich diese auf Merkmale wie ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Religion, eine Behinderung oder das Alter.

Die meisten dieser Inhalte sind strafrechtlich relevant, allerdings werden auch Äußerungen getätigt, die zwar rechtlich nicht verboten, aber dennoch schädlich sind: Sie können bei den Betroffenen emotionalen Stress und Angst auslösen, sie isolieren und dazu führen, dass Menschen ihre Meinung nicht mehr äußern – ein Phänomen, das als „Silencing“ bekannt ist.

In den letzten Jahren hat sich eine zunehmende „Normalisierung“ von Hass im Netz entwickelt. Viele Menschen nehmen Hasskommentare als gegeben hin oder unterschätzen deren Folgen. Dabei sind die Auswirkungen gravierend: Online-Hass kann schwerwiegende soziale und psychische Folgen haben und ist oft mit realen Bedrohungen verbunden.

Was kann die Zivilgesellschaft dagegen tun?

Tatsächlich gibt es bei Hass im Netz viele Handlungsmöglichkeiten.

Betroffenen würden wir empfehlen, zuerst einmal tief durchzuatmen und ruhig zu bleiben. Hasspostings können triggern, weh tun, einschüchtern und ermüden. Deswegen ist es wichtig, gut auf sich zu achten und sich gegebenenfalls Unterstützung zu holen.

In Österreich gibt es verschiedene Akteur*innen und Anlaufstellen, die Betroffenen psychosoziale und rechtliche Unterstützung und Beratung anbieten sowie Hassreden dokumentieren, wie beispielsweise: ZARA-Beratungsstelle #GegenHassimNetz oder Rat auf Draht (für Kinder und Jugendliche), Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus, Antisemitismus Meldestelle, Stopline.at, Mauthausenkomitee, Internet Ombudsstelle, die NS-Meldestelle, Mädchen* und Frauen*beratungsstellen.

Hass im Netz melden hilft, strukturelle Maßnahmen zu ergreifen

Einer der ersten Schritte, um gegen Hass im Netz vorzugehen, ist das Melden von Hassrede. Dies mag auf den ersten Blick wie ein kleiner und unbedeutender Akt erscheinen, doch ist es ein entscheidender Schritt, um strukturelle Veränderungen zu bewirken. Wie bereits erwähnt, gibt es verschiedene Stellen, bei denen sich Betroffene dabei Unterstützung holen können. Beim Verein ZARA etwa erhalten Betroffene sowie Zeug*innen bei der Beratungsstelle #GegenHassimNetz kostenlose Unterstützung und Beratung – egal, ob sie rechtlich gegen das Posting vorgehen möchten oder einfach nur mit jemandem darüber sprechen wollen: Sie sind nicht allein!

Viele Social-Media-Plattformen haben Meldefunktionen, die genutzt werden können, um Hasspostings zu melden. Da die Löschung oft effektiver ist, wenn ZARA die Meldung vornimmt, können Betroffene auch diesen Weg gehen. Als „vertrauenswürdige*r Hinweisgeber*in“ (Trusted Partner) hat ZARA bei vielen Plattformen eine höhere Erfolgsquote bei der Löschung.

  • Tipp: Screenshot machen! Wenn du auf Hassrede stößt, mache einen Screenshot. Dieser kann später als Beweismittel dienen.

Gerade gegen nicht verbotene Formen steht zumindest immer das Mittel der Gegenrede zur Verfügung.

Zeug*innen können unterstützen, indem sie der betroffenen Person zeigen, dass sie nicht allein ist. Sie können etwa den*die Betroffene*n direkt kontaktieren, um Unterstützung anzubieten oder auf Beratungsstellen aufmerksam zu machen. Auch Gegenrede ist eine bewährte Strategie, um gegen Hassrede vorzugehen: Zum Beispiel kann ein*e Zeug*in sich mit der betroffenen Person solidarisch zeigen und/oder die Situation benennen und klar machen, dass er*sie das nicht in Ordnung findet. So wird nicht nur Betroffenen, sondernauch Hater*innen und Mitlesenden signalisiert: Der Hass ist nicht repräsentativ und er wird nicht unwidersprochen stehen gelassen!

Digitale Zivilcourage

Digitale Zivilcourage bedeutet, für andere einzutreten und Räume nicht schweigend aufzugeben. Die aktive Förderung von Gegenrede (Counterspeech) kann helfen, Hass im Netz zu bekämpfen. Dies kann durch das Einbringen von Fakten, Humor oder Fragen geschehen, um Hasspostings zu entkräften, die eigene Position klarzustellen oder Solidarität auszudrücken. Zivilcouragierte Gegenrede kann die Situation beruhigen und mitlesende Personen dazu motivieren, sich ebenfalls aktiv einzubringen. Ein gutes Beispiel ist das Gegenrede-Tool von ZARA, das unter www.schnellerkonter.at zu finden ist. Um Gegenrede zu stärken und Hass entgegenzuwirken, setzt ZARA momentan das Projekt „Web@ngels 3.0“ um: Bei diesem Projekt werden ehrenamtliche Mitarbeiter*innen zu sogenannten „Web@ngels“ ausgebildet. Diese intervenieren anschließend in Online-Foren und greifen in virtuellen Situationen von Gewalt, Diskriminierung und/oder Rassismus ein, indem sie informieren und zivilcouragiert handeln.

  1. Kommentare hinterfragen: Hinterfrage Hasskommentare und stelle Fragen an die Verfassenden, wie beispielsweise: „Was meinen Sie denn damit?“. Oft sind diese Kommentare auf Unwissenheit oder Vorurteile zurückzuführen.
  2. Mit Fakten konfrontieren: Liefere Fakten und zeige Quellen auf, um die Diskussion zu versachlichen.
  3. Hater*innen zeigen, dass ihr Verhalten nicht okay ist: Lass die Verfassenden von Hasskommentaren wissen, dass ihr Verhalten nicht toleriert wird. Setze Grenzen und benenne das Verhalten klar als das, was es ist: rassistisch, sexistisch, diskriminierend,..
  4. Freund*innen und Verbündete taggen: Hol dir Unterstützung von Freund*innen und Verbündeten, um gemeinsam gegen Hass im Netz vorzugehen.

Forderungen und Maßnahmen

Um langfristig gegen Hass im Netz vorzugehen, sind zivilgesellschaftliche Bemühungen wichtig – aber strukturelle Veränderungen notwendig:

  • Mehr Investitionen in Präventions- und Bildungsmaßnahmen: Workshops, Schulprogramme und Informationskampagnen sollten verstärkt werden.
  • Höherer Druck auf Social-Media-Plattformen: Diese müssen Verantwortung übernehmen und effektive Mechanismen zur Bekämpfung von Hassrede umsetzen.
  • Stärkere Unterstützung für Betroffene: Kostenlose psychologische Unterstützung sowie gut ausgestattete Beratungsstellen sind essenziell, um Betroffene aufzufangen.
  • Bessere Ausstattung von Polizei und Justiz: Ermittlungsbehörden benötigen ausreichende Ressourcen, um Online-Hass effektiv verfolgen zu können.

Hass im Netz darf nicht als unveränderliche Realität hingenommen werden. Es braucht zivilgesellschaftliches Engagement, strukturelle Maßnahmen und konsequente Gegenstrategien, um Online-Räume wieder sicher und respektvoll zu gestalten.

Weitere Forderungen für einen Nationalen Aktionsplan gegen Hass im Netz finden sich im 5. Gegen-Hass-im-Netz-Bericht von ZARA zu finden unter: https://zara.or.at/de/wissen/publikationen/GegenHassimNetz_Berichte.

 

Autor*in:

Amina El-Gamal

Amina El-Gamal studierte Erziehungswissenschaften und Spanisch im Bachelor an der Universität Innsbruck und absolvierte ihren Master in Internationaler Entwicklung an der Universität Wien. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind Entwicklungsforschung, Anti-Rassismus, Anti-Diskriminierung und Intersektionalität. Sie war bei verschiedenen feministischen und entwicklungspolitischen Organisationen, an der Universität sowie als Autorin und Radiomacherin tätig. Beim Verein ZARA macht sie die Leitung von Public Outreach und Projektkoordination.